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Franz Ahl

Nr. 8 der Interviewreihe

Abbildung oben: Franz Ahls KFV-Ehrenabzeichen

 

Die heutige Ausgabe der KFV-Interviewreihe „Zur Sache KFV“ dreht sich um den ältesten KFVler: Ehrenmitglied Franz Ahl.

1928 trat er als 14-jähriger dem KFV bei und ist somit das dienstälteste KFV-Mitglied. Auch sein sechs Jahre jüngerer Bruder Wilhelm Ahl spielte einst für den KFV.

Franz Ahl spielte viele Jahre in der Gauliga sowie nach dem Krieg in der Oberliga Süd (in der jeweils höchsten deutschen Spielklasse in diesen Zeiten). Obwohl er vor Kurzem schon seinen 98. Geburtstag feierte, gibt es keine KFV-Anekdote, an die er sich nicht erinnern könnte. Für unsere Interviewreihe sprach er über seinen bewegenden, sportlichen Werdegang und teilte uns seine Einschätzung zur gegenwärtigen Situation unseres KFV mit.

 

Franz Ahl im Profil:

Geboren: 5. Februar 1914

Spielzeiten beim KFV: 1928-1939, 1945-1946 (1948 auf Abruf); in der ersten Mannschaft wird er zum ersten Mal im Spieljahr 1933/34 gelistet.

Position: Halblinks

Erfolge: Spieler in der höchsten deutschen Fußballliga. Meister in der A-Klasse mit FV Rußheim als Trainer, regionale Meisterschaft im Krieg mit Weingarten als Spielertrainer.

Vereine als Spieler: Karlsruher FV 1928-1939, VfR Aalen 1939-1945, Karlsruher FV 1945-1946

Vereine als Trainer: 1. FC Bruchsal 1945-46, VfB Bretten 1946-47, FV Rußheim 1950-52

Vereine als Spielertrainer:, Weingarten (während dem Krieg), FV Alemannia Bruchhausen 1946-1955 (Spielertrainer), SV Oberweier 1956 (Spielertrainer).

 

Franz Ahl im Gespräch:

Wie sind Sie zum KFV gekommen und in welcher Begegnung trugen Sie zum ersten Mal das KFV-Trikot?

1928 bin ich als 14-jähriger zum KFV gekommen. Von der B- und A-Jugend bin ich 1934 in die erste Mannschaft gekommen.

Meine erstes Spiel in der ersten Mannschaft war in Ulm, gegen den SSV Ulm 1846, im Jahre 1935. Wir haben das Spiel mit 1:6 verloren, ich habe den Ehrentreffer geschossen. Ich hatte damals noch das Vergnügen zusammen mit dem berühmten Rafet Bekir (türkischer Nationalspieler und Olympia-Teilnehmer) zu spielen. Der Ulmer Spieler Strauß erzielte bei diesem Spiel allein 5 Tore, er war damals der überragende und bekannteste Spieler der Ulmer Mannschaft.

Wie hat der Krieg Ihre Spielerkarriere beeinträchtigt?

Von 1939 bis 1945 wurde ich von einem Rüstungsunternehmen in Aalen, Württemberg, dienstverpflichtet. Während dieser Zeit habe ich beim VfR Aalen gespielt, der damals wie der KFV an der Gauliga, der höchsten deutschen Fußballliga, teilnahm. Wir mussten damals von 6 Uhr morgens bis halb 6 abends arbeiten, aber das war immer noch besser als Soldat an der Front zu sein. Als Fußballer durfte man samstags sogar etwas früher mit dem arbeiten aufhören…

Hintergrund - Der heutige 3.Ligist VfR Aalen im 2. Weltkrieg:

Der VfR Aalen spielte damals wie der KFV in der höchsten deutschen Spielklasse, der Gauliga. Am Ende der Saison 1939/40 wurde der fünfte von elf Plätzen belegt, in der Folgesaison der siebte. Mit zunehmender Kriegsdauer wurde die Kaderzusammenstellung für Trainer Joseph Mihalek immer schwieriger. In der Saison 1942/43 wurden insgesamt 34 Spieler eingesetzt, die aus dem ganzen Landkreis zusammengezogen wurden. Insgesamt wurden 147 Vereinsmitglieder zum Kriegsdienst eingezogen, trotzdem spielte der VfR in der Gauliga einen erfolgreichen Fußball: In der Saison 1944/45, die letztendlich wegen der Kriegswirren abgebrochen wurde, belegte die Mannschaft bei Abbruch den zweiten Platz.

Abbildungen: Ein KFV-Kunstwerk der besonderen Art: Eine mehr als 200 Jahre alte historische Dachziegel mit KFV-Malerei. Rechts: Erinnerungsstücke an seine Zeit beim VfR Aalen. Beim heutigen Drittligisten war er als Torschütze bekannt.

Welche Erlebnisse haben sich besonders in Ihren Erinnerungen verankert?

Während der Zeit des Nazi-Regimes hatten wir zwei Spiele in der Weihnachtszeit in Frankreich. In Metz und Nancy. In Nancy bat man uns auf den „deutschen Gruß“ zu verzichten der ja damals „in Mode war“, was wir auch taten. Der DFB erteilte dem KFV daraufhin eine halbjährige Auslandsspielsperre.

Beim VfR Aalen schoss ich in einem Spiel, das wir mit 13:1 gewannen, allein 7 Tore. Den Gegner habe ich leider vergessen. Ein Zuschauer meinte mir gehöre die Schützenschnur verliehen (Anm. d. R.: die Schützenschnur ist eine Auszeichnung für besondere Schießleistungen, die an alle Soldaten verliehen werden kann).

Abbildungen oben: KFV-Mannschaft bei einem Spiel in Liedolsheim 1946. Mit dem jüdischen Vorstandsvorsitzenden Max Ransenberg, dessen Eltern von den Nazis nach Ausschwitz und Theresienstadt deportiert wurden, wie sich Franz Ahl erinnert. Ransenbergs Bruder Leo, überlebte als einer von 17 deportierten Karlsruher Gefangenen von Theresienstadt die Nazi-Zeit und kehrte 1945 in die badische Residenzstadt zurück. Max Ransenberg war bis 1948 erster Vorsitzender des KFV.

Mehr Informationen zum Thema:

http://my.informedia.de/gedenkbuch.php?PID=12&name=3443&suche=R

http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick86/aufsatz2.de

Welche Persönlichkeit beim KFV hat Sie am meisten geprägt?

Nationalspieler Lora Huber, Rafet Bekir und die Spieler Wünsch, Schneider, Siccard (Jussel und Willi), Damminger (deutscher Nationalspieler), Benz und Helm.  

Wir hatten zu meiner Zeit eine gute Truppe: Siccard Willi-Linksaußen Wünsch war Mittelläufer, Reiser-Mittelläufer, Stadler im Tor, Huber, Immel und Bolz waren Verteidiger, Schön war rechter Läufer, Schneider war Läufer, Benz auf halbrechts, Litsch-Linksaußen, Helm linker Läufer, Damminger-Mittelstürmer, Brecht war Rechtsaußen. Meine besten Freunde Keck und Helm sind beide im Krieg gefallen.

Abbildung: Ahl in der Mannschaft von 1947.

Fuchs, Hirsch, Förderer, Townley, Lawrence… die Liste ist lang. Welche Persönlichkeit aus der Geschichte des KFV bewundern Sie am meisten und warum?

Die großen Spieler der Meistermannschaft, der bekannte Innensturm Hirsch, Fuchs, Förderer usw. habe ich im Grunde nie kennengelernt. Unter Jimmy Lawrence habe ich jedoch trainieren dürfen. Als er Trainer war, spielte ich meist noch in der A-Jugend. Lawrence war ein sehr guter und sympathischer Mann. Es gab einen Spruch von ihm der legendär war. Jedes Mal wenn ein Spieler einer seiner Anweisungen nicht verstanden hatte, fragte er: „Du Gras im Kopf ?, Du Gras im Kopf ?“. Das war sein Spruch [lacht].

Was machten Sie nach Ihrer Zeit beim KFV?

Ich war bei einigen Vereinen als Trainer beschäftigt, zeitgleich habe ich z.B. bei Bruchhausen noch gespielt (bzw. war der Spielertrainer). Am 22. Januar 1956 verletzte ich mich bei einem Spiel in Oberweier sehr schwer am Bein. Aufgrund dieser Verletzung war ich viereinhalb Monate im Krankenhaus und dann war’s aus mit dem Fußballspielen. Auch eine Mannschaft habe ich danach nicht mehr trainiert.

Was hat Sie beim KFV am meisten beeindruckt?

Die Kameradschaft war hervorragend, das muss ich betonen. Nach dem Spiel gab es immer noch ein gemütliches Beisammensein im „Moninger Gartensaal“. Sowas ist heute fast nicht mehr der Fall. Die „Spesen“ waren für heutige Verhältnisse relativ niedrig. Für ein Heimspiel gab es 10, bei einem Auswärtsspiel 15 Mark. Das waren die Beträge die der DFB erlaubte. Nebenbei gab es von begeisterten Zuschauern manchmal noch etwas.

Warum ist der KFV nicht irgendein Fußballverein?

Der KFV war schon immer etwas Besonderes. In meiner Zeit war der KFV auch beliebter als der Stadtrivale Phoenix Karlsruhe (Anmerkung der Redaktion: späterer Fusionsverein des KSC). Er hatte einfach mehr Sympathien.

 

Abbildung: Aus dem Museum: „KFV-Bierzipfel“ und Uhr von 1935. Daneben waren schwarz-rote Krawatten Pflicht beim KFV, erinnert sich Franz Ahl.

Nach der Insolvenz im Jahre 2004 musste der KFV ohne Sportplatz und ohne breite Basis, 2007 in der C-Klasse Karlsruhe, der untersten Liga, von neu beginnen. Wie wird sich der KFV sportlich, personell und organisatorisch in der Zukunft entwickeln?

Momentan sieht es nicht ganz rosig aus. Wenn man ganz unten steht ist es schwer. Ob der KFV da raus kommt, ist eine Frage der Zeit. Mit dem Aufstieg ist es nicht so einfach. Es ist eben ein hartes Brot von ganz unten wieder hochzukommen. Ein kleiner Verein wie der KFV hat auch nicht viele Finanzmittel die heute immer mehr eine Rolle spielen.

 

Abbildung: Autogrammkarte von Franz Ahl

Abbildung: Offizieller Spielberichtsbogen vom Spiel gegen Eintracht Frankfurt am 10. 02. 1946 (Oberliga Süd, der höchsten deutschen Spielklasse dieser Zeit). Franz Ahl ist in diesem Spiel Spielführer gewesen.

Warum sind Sie dem KFV treu geblieben?

Seit 1928 bin ich ununterbrochen Mitglied bzw. Ehrenmitglied. Nach meiner aktiven Zeit war ich oft als Zuschauer dabei; heute verfolge ich noch die Ergebnisse.

Was würden Sie heute den KFV-Spielern und Verantwortlichen mit auf den Weg geben?

1946 in der Oberliga Süd hatten wir ein Spielausschussmitglied, den Herrn Tscherter, der nie irgendwo erschien wenn ein Spiel verloren ging. Man sah ihn nur wenn es "gut lief".

Zu ihm sagte ich einmal: „Sie kommen auch nur wenn wir gewonnen haben“ [lacht]. Mein Fazit: Man muss auch zum Verein stehen, wenn es einmal nicht läuft.

 

Das Interview führte Steffen Herberger, 06. 02. 2012.

Bildverzeichnis: Herberger/KFV