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Sebastian Bona: Vorsitzender der "Initiative 1903", die mit "Fußballpilgersteinen" an die Traditionsvereine der ersten Stunde erinnern möchte.

Sebastian Bona ist Gründer der „Initiative 1903“, mit der er an die Teilnehmer der ersten deutschen Meisterschaft erinnern will. Der Privat-Fußballhistoriker ist Mitglied des DFL-Arbeitskreises „Tradition & Fußball" und Fan des 1.FC Lokomotive Leipzig. Im Juni 2013 plant er in Zusammenarbeit mit dem KFV den dritten sogenannten „Fußballpilgerstein“, eine Art Gedenkstein für die Teilnehmer der ersten deutschen Meisterschaftsendrunde.

oben: Sebastian Bona (links), bei der Einweihung eines "Fußballpilgersteins".

Seit einigen Jahren arbeiten Sie an der Idee der sogenannten „Fußballpilgersteine“, also Denkmäler die in Städten der Endrundenteilnehmer der ersten deutschen Fußballmeisterschaft aufgestellt werden, um an diese Klubs und ihre Pionierleistung zu erinnern. Wie kam es zu dieser Idee?

Der VfB Leipzig, „mein“ ehemaliger Verein, wurde am 31.05.1903 erster Deutscher Meister. In Leipzig beweihräuchert man sich seit geraumer Zeit mit der eigenen Historie/Tradition und dem genannten Titelgewinn (einer von dreien!). Leider geschah für mich als Vereinsmitglied zu wenig hinsichtlich der Aufarbeitung und Traditionspflege. Ich wollte der Vergangenheit selbst auf die Spur kommen und begann mit umfassenden Recherchen, u.a. auch zum Ort des Finals von 1903. Dort angekommen, erstmals im August 2010, fand ich mich in einem trostlosen Industriegebiet des Hamburger Stadtteils Altona-Bahrenfeld wieder. Kein Denkmal, keine Infotafel, rein gar nichts erinnerte an den ersten reichsweiten Fußballkampf. – Die Idee, proaktiv gegen diesen Missstand etwas zu unternehmen ward geboren. Dass mit einer Denkmalserie schließlich alle sechs Endrundenteilnehmer (neben dem KFV und VfB Leipzig überdies Altona 93, Magdeburger FC Victoria, Britannia Berlin und DFC Prag) nachträgliche Würdigung erfahren sollen, entwickelte sich im Laufe der Zeit. Zunächst waren nur Altona und Leipzig angedacht, doch beflügelten uns die positive Reputation und die entstandenen Kontakte, alle sechs, teils nicht mehr existenten Clubs, zu würdigen.

Im Juni 2013 kommt der dritte Stein nach Karlsruhe, zum KFV. Karlsruher Fußballverein – was für Assoziationen haben Sie zu diesem Klub? Welche Persönlichkeiten, welche Geschichten beeindrucken Sie am meisten?

Im Rahmen der Projektarbeit begleitete mich die Chronik Walther Bensemanns, einem Mitbegründer des KFV. Es waren Pioniere wie er, Theodor Schöffler (Leipzig) oder auch Konrad Koch (Braunschweig), die sukzessive den Fußball salonfähig machten und damit den Grundstein für dessen überregionale Entwicklung legten. Walther Bensemann ist für mich in meiner Projektarbeit ein großes Vorbild. Er legte trotz aller Repressalien, die er erfuhr, stets ein außerordentlich hohes Maß an Beharrlichkeit an den Tag. Seiner Arbeit, wenngleich er kein besonders guter Fußballer war, war es auch mit geschuldet, dass der KFV einst als  „beste Mannschaft des Continents“ gesehen wurde. Neben Bensemann sollten natürlich auch die Nationalspieler Hirsch, Fuchs und Förderer genannt werden, die der KFV stellte, sowie mit Dr. Ivo Schricker den ersten FIFA Generalsekretär. Das macht den KFV auf eine ganz besondere Art und Weise einzigartig. Und seit diesem Jahr bin ich auch ein stolzer KFV’ler!

Welche Perspektive hat der KFV in der Zukunft?

Sportlich ist man im Nirgendwo. Ein Märchen „Von der Kreisklasse in den bezahlten Fußball“, wie beim 1. FC Lok Leipzig (Anmerkung der Red.: Durch eine Fusion kam der 1. FC Lokomotive von der 11. in die 7. Klasse; danach drei Aufstiege), wird sich gewiss nicht wiederholen. Dazu fehlt auch die weite Anhängerschaft. Doch in jedem Fall hoffe ich, dem KFV mit der Veranstaltung im kommenden Jahr eine kleine Bühne zu bieten, und ihn dadurch für Investoren und Spieler interessant zu machen, die im Fußballsport auch entsprechend kulturelle Werte zu schätzen wissen. Es sind Faktoren wie positive Presse, ein Mäzen oder Investor, eine intakte Vereinsstruktur und –führung, die für eine positive Entwicklung in jedem Fall förderlich sind. Momentan bereitet dem Verein eher die infrastrukturelle Situation erhebliche Probleme. Mit einem eigenen Sportplatz, der auch mehr Raum und Möglichkeiten für den Nachwuchs bietet, ließe sich ganz anders planen. Und vom eigenen Nachwuchs profitiert man in jedem Fall. Es müsste nachhaltig wieder eine Bindung an den Verein etabliert werden, wie sie seinerzeit üblich war. Einmal KFV – immer KFV! Zumindest im Herzen. Die dazu nötigen Werte und Voraussetzungen gilt es aufzubauen. Vielleicht auch in Partnerschaft mit dem KSC, sofern dieser bekundet, ein Leistungszentrum zu etablieren und eine zweite Macht in KA, beispielsweise als Sprungbrett für seine späteren Leistungsträger zu installieren.

Tradition im Fußball – ist das nicht nur etwas für Statistikfreaks, Marketingkampagnen und Memorabilien-Sammler? Was können wir aus der Tradition von Klubs heute ziehen, was genau ist denn dieses sprichwörtliche „Weitergeben der Glut“?

Es gibt da heutzutage ganz mannigfaltige Möglichkeiten der Umsetzung. Ich erinnere mich da an Retrotrikots mit angedeuteten Schnürkragen, mit denen der FC St. Pauli vor einigen Jahren auflief. Es sind viele kleine Stilmittel, die natürlich auch marketingstrategisch eingebaut werden können. Nur ein Club, der was über sich zu erzählen weiß, kann sich solcher Mittel bedienen. Auch denkbar wäre eine klassische Anzeigetafel, die den Spielstand über Holztafeln anzeigt und dergleichen. Quasi das kultartige Bedienen, eines ehemals konventionellen Repertoires. Auch eine Einlaufhymne könnte das sein.

Weiterhin war es traditionell üblich für Spieler, sich für einen, allenfalls zwei Vereine zu verschreiben (abgesehen von Kriegszeiten, in denen auch am Stationierungsort in Armee- oder regionalen Mannschaften gespielt wurde). Vereinswechsel, wie wir sie heute kennen, waren in der Anfangszeit des Fußballs lediglich persönlichen Befindlichkeiten, eher noch der beruflichen Anstellung geschuldet. U.a. kann man auch den ehemaligen KFV’ler und Meister von 1910 Fritz Förderer an dieser Stelle nennen. Womöglich hätte er beim KFV seine Karriere beendet, hätte er nicht berufsbedingt nach Halle/Saale umsiedeln müssen, wo er letztlich bei Halle 96 sportlich aktiv war.

Ein Extrembeispiel ist Camillo Ugi (1884-1970). Der gebürtige Leipziger begann beim LBC 03 mit dem Fußballspiel, siedelte aufgrund einer versprochenen Anstellung über nach Brasilien(!!!), spielte dort für Germania Sao Paulo, wieder zurück gekehrt trat er für den Dresdner SC, den FSV Frankfurt, Marseille, die Sportfreunde Breslau und wieder in Leipzig gegen die Lederkugel.

Herr Bona, Sie sind im Arbeitskreis „Tradition“ der deutsche Fußballliga (DFL), sagen Sie es uns bitte: Wie definiert man “Traditionsverein“? Ist es das Alter, die Anzahl der Mitglieder, gewachsene Strukturen – oder wie böse Zungen behaupten, eine länger anhaltende Erfolglosigkeit?

Darüber handelte meine letzte Hausarbeit für die DFL, die ich mit meinem guten Freund Hagen Leopold, Initiator Fritz-Walter-Museum, Kaiserslautern, einreichte. Wir kamen zu dem Schluss, dass einige Attribute erfüllt sein müssen, ehe ein Club als Traditionsverein gilt. Lediglich die Tatsache, seit über 100 Jahren existent zu sein, macht aus einem Verein noch keinen Traditionsclub. Dazu bedarf es auch überregionaler Erfolge und einer eigenen Geschichte, die der Verein zu erzählen weiß.

-         Lange Historie

o      Ideal natürlich, wenn der Club Fußballpionier, besser noch DFB-Mitbegründer war.

-         Erfolge

o      Meisterschaften; hervorgebrachte Nationalspieler und Olympiateilnehmer;

-         Besonderheiten

o      Vereinstypische Festivitäten oder ein besonderes Stadion;

-         Kultstatus

o      Treue Anhängerschaft, traditionelle Rituale

-         Historisches

o      Eigene Geschichte

Konstatierend kann man beim KFV durchaus von einem Traditionsclub sprechen. Er entstand in den Fußballkindertagen, war vertreten bei der DFB-Gründungsversammlung am 27./28.01.1900 in Leipzig, hat Erfolge vorzuweisen (DM 1910, D. Vizemeisterschaften, süddeutsche Meisterschaften), brachte zahlreiche Nationalspieler hervor, sein Stadion war Länderspielschauplatz, seine derzeitigen Anhänger wissen um seine Vergangenheit und: Der Verein ist nach wie vor aktiv!

Sehr gerne führe ich bei den Erläuterungen des Begriffs „Tradition“ auch den FC Lipsia (Leipzig) als Gegenbeispiel an. Es ist der nachweislich älteste sächsische Fußballclub, gegründet am 1. Februar 1893, doch machte er aus diesem Alleinstellungsmerkmal nichts. Es gab zeitweise Querelen innerhalb der damaligen Verbände, aus denen der Club zwischenzeitlich austrat, entsprechend litt das Sportliche, was es dem Verein folglich unmöglich machte, in den noch jungen Jahren Erfolge einzufahren und sich zu etablieren. Heute existiert der Club noch immer. Doch ist er annähernd bedeutungslos.

Bayer 04 Leverkusen wurde nach dem Bundesligaaufstieg inzwischen UEFA-Cup-Sieger, DFB-Pokalsieger, stand im Championsleague-Finale, wurde mehrmals Vizemeister – wird ein ehemaliger „Konzern- oder Mäzenklub“ ob erfolgreich oder nicht, nicht automatisch irgendwann ein Traditionsklub? Wird die TSG Hoffenheim, der VfL Wolfsburg und RB Leipzig in 30 Jahren nicht einfach in die Fußballwelt „integriert“?

Wer ist RB Leipzig? Spaß beiseite. Ich denke wir erleben aktuell eine Neudefinition von Tradition, nennen wir es Tradition 2.0. Nachweislich dominiert die Finanzkraft den Fußballsport. Wie üblich wird es sich einstellen, dass die Mannschaften mit dem besten Spielermaterial auch die erfolgreichsten sein werden. Ergo jene Mannschaften, die finanziell am potentesten sind. Vielleicht zählt in 30 bis 40 Jahren ein Club zu Traditionsvereinen, der über Dekaden hinweg sportlichen Erfolg wie Red Bull einkauft, zwar nicht an der DFB-Gründung beteiligt gewesen ist, jedoch im Sport- und Wirtschaftsministerium eine Handvoll Ämter bekleidet, an der Börse ist und einen eigenen Stadtteil nach sich benannt hat. Wir wissen es nicht. Die Tradition wird sich dahingehend ändern, dass Traditionsvereine solche sind, die z.B. seit Gründung der Bundesliga oder einer möglichen neuen deutschen Superliga, das Ausland macht es vor, an eben jener partizipieren. Die Gründung des Dachverbandes oder Vorkriegsmeisterschaften werden für den Fußballfan, Geburtsjahr 2020 nichtig. Daher müssen wir  jetzt alles tun, um die Geschichte, die Glut, weiter zu tragen und aktiv die Historie vermitteln.

In der Bundesliga spielen Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, SV Werder Bremen GmbH & Co. KGaA, 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA. Heute spielen 25 von 36 Vereinen in den ersten beiden Ligen in Spielstätten, die ein Wirtschaftsunternehmen in ihrem Namen tragen. Sponsor des einstigen Kohlekumpelklubs Schalke ist der russische Gasprom-Konzern  - steckt im heutigen Profifußball selbsternannter Traditionsklubs nicht schon sehr viel „Kommerz“, also das Unwort das Traditionsvereine lieber mit Mäzen-/Konzernvereinen in Verbindung bringen?

Durchaus. Doch es geht nicht anders, will man dauerhaft Erfolg haben. Finanzkraft ist in Zeiten offener Märkte das einzige Mittel, um dauerhaft sportlich erfolgreich zu sein. Die fortwährende Kommerzialisierung macht da auch vor den Stadien nicht Halt. Wie schön sind doch Namen wie Wildpark-, Steigerwald- oder Erzgebirgstadion. Wie plump eine Playmobil- bzw. Trolli-Arena in Fürth. Dies ist das Paradebeispiel der kapitalistischen Verwahrlosung und Aufgabe eigener Werte. Die Spielvereinigung Fürth (heute Greuther F.), selbst dreifacher Deutscher Meister, bedeutender Verein der Vorkriegsgeschichte, trägt zwar heute noch stilecht die „1903“ (Gründungsjahr SpVgg. Fürth) eingestickt in den Trikotkragen, trennt sich jedoch vom traditionsreichen Namen Ronhofstadion. Zum Aufrechterhalt seiner Finanzkraft und damit verbunden der sportlichen Konkurrenzfähigkeit. Willkommen im modernen Fußball!

Bei Eingabe des Stichworts „Fußballtradition“ erhält man bei einer bekannten Internetsuchmaschine ganz oben die Schlagzeile: „Leipziger Fußball-Tradition in Trümmern“. Sie kommen aus Leipzig und sind Anhänger von Lokomotive „Lok“ Leipzig. Was ist los mit dem 1. FC Lokomotive Leipzig/VfB Leipzig, Sachsen Leipzig/Chemie Leipzig sowie dem Neuling RB Leipzig und was ist in Zukunft vom Leipziger Fußball zu erwarten?

Das ist Stoff für weitere zehn Seiten. Der 1. FC Lok Leipzig wurde (neu) gegründet im Dezember 2003 und er nahm in der Saison 2004/2005 den Spielbetrieb auf. Von der dritten Kreisklasse (12. Liga) gelang binnen 8 Jahren der Aufstieg in die Regionalliga Nordost (4. Liga), in der aktuell auch noch RB Leipzig spielt. RB hingegen hat sich den Oberligastartplatz des SSV Markranstädt (Vorort von L) erkauft, eine Truppe von Nationalspielern und Profis ins Rennen geschickt und sich entsprechend den Regionalligaaufstieg gesichert. Dort hängt das Millionenkonstrukt nun aber bereits seit zwei Spielzeiten fest, jedoch rechne ich in diesem Jahr mit einem Aufstieg oder zumindest der Relegationsteilnahme. Denn im Vergleich zu den beiden „West“-Regionalligen darf der Ostmeister nicht direkt aufsteigen, sondern muss zunächst in eine Relegation. Auch typisch für das Ansehen des Fußballostens bei den Verbänden. Simultan zu den erschwerten Umständen gesellen sich häufig Missmanagement, falsche Visionen und mangelnder Fußballsachverstand in die Chefetagen so manchen Clubs. So geschehen beim VfB Leipzig, so auch geschehen beim FC Sachsen Leipzig. Der VfB hingegen hatte nach der politischen Wende beste Voraussetzungen: Qualifikation für die Zweite Bundesliga, Aufstieg 1993 in die Erste Bundesliga. Doch mit dem Bundesligaabstieg kam auch der Verfall des Clubs. Chemie Leipzig, deren Nachfolger ab 1990 der FC Sachsen wurde, heute aufgespalten in SG Leipzig Leutzsch und BSG Chemie, war in der DDR-Oberliga trotz zweier früher Meisterschaften weniger ambitioniert. Während Lok sich seit der Gründung am 20.01.1966 in europäischen Wettbewerben etablierte, spielte Chemie eher eine Nebenrolle, zeitweise auch nur in der zweitklassigen „DDR-Liga“.

Es  ist schlimm zu sehen, wie der Leipziger Fußball runtergekommen ist. Das Interesse ist zwar noch da, doch hat man nun mit dem Dosenclub einen übermächtigen, geltungssüchtigen Widersacher, der einem noch das letzte Wasser abgräbt. Und so bleibt wieder einmal nur das Zurückbesinnen auf die eigene Tradition und Geschichte als Mehrwert gegenüber dem Dosenkonstrukt. Oder man findet sich ab, nur noch die zweite Geige zu spielen.

Dazu existiert meinerseits bereits der Plan, die Leipziger Traditionsvereine in einem gemeinsamen Fußballmuseum zu beherbergen. Ein absoluter Mehrwert, bei aller Rivalität auf dem Rasen und abseits dessen eine gemeinsame Stätte der Erinnerung zu schaffen. In den Farben getrennt, in der Sache vereint. – Vielleicht ja ein Anfang!

Warum heißt die Lokomotive heute nicht mehr VfB Leipzig?

Kurzer Zeitstrahl:

11.11.1893: Gründung Sportbrüder Leipzig; 13.05.1896: Gründung VfB Leipzig, 1898: Zusammenschluss beider Vereine.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Club wie alle ostdeutschen Sportvereine auf Betreiben der sowjetischen Besatzungsmacht auf der Grundlage der Direktive Nr. 23 des Alliierten Kontrollrates der Besatzungsmächte verboten und aufgelöst. Aus den anschließend gegründeten Clubs entstand am 20.01.1966 der 1. FC Lokomotive Leipzig.

Der VfB Leipzig, (wieder) gegründet am 01.06. 1991, erlebte nach seinem Bundesligagastspiel einen sportlichen und finanziellen Fall, im Zuge dessen die zweite Insolvenz (nach 2001) im Jahre 2004 letztlich die Abwicklung und damit verbunden die Löschung aus dem Vereinsregister, zur Folge hatte. Da die Misere abzusehen war, gründeten einige Fans bereits im Dezember 2003 den neuen 1. FC Lokomotive Leipzig, der in der Folgespielzeit den Spielbetrieb im Stadion des VfB aufnehmen sollte. Zigtausend Zuschauer in der 3. Kreisklasse – Chapeau, welch ein Einstand!

Zum Schluss zurück zum KFV. Durch die sagenumwobene Telegrammaffäre ist der KFV in der ersten Meisterschaftsendrunde 1903 im Halbfinale disqualifiziert worden. Der DFC Prag kam weiter und verlor gegen den VfB Leipzig im Finale mit 2:7. Man munkelt die Prager Studenten waren am Abend zuvor so von der Hamburger Reeperbahn fasziniert, dass die Kräfte fürs Finale kaum geschont worden sind. Hand aufs Herz, KFV gegen  Leipzig – wer hätte dieses Finale gewonnen? ;-)

Diese Frage stellte sich bereits seinerzeit, entsprechend wurde eine Partie VfB Leipzig gegen den KFV angesetzt, welche der VfB Leipzig am 28.06.1903 mit 4:3 gewann. Viel interessanter wäre eine Partie zwischen dem DFC und dem KFV.

Interessant wäre indes auch eine Neuansetzung für die Deutsche Meisterschaft von 1904, welche aufgrund eines Gesuchs des KFV annulliert worden ist. Damals reiste der KFV im Viertelfinale zu Britannia Berlin und unterlag auf deren Platz mit 1:6 Toren. Stattgegeben wurde dem Einspruch, dass Berlin in Friedenau auf heimischem Platz antrat, was gegen die Statuten des DFB verstieß. Bis heute gibt es folglich keinen Deutschen Meister von 1904. Hier könnte ein kleines Turnier von Amateurmannschaften eine Lösung liefern…