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Hintergrund: 125 Jahre Fußball in Karlsruhe

1889: Wie der Fußball laufen lernte

Der Internationaler Football-Club (IFC) oder Karlsruher „Footballklub“, wurde am 16. 9. 1889 in Karlsruhe gegründet. Er war der erste Verein in Süddeutschland, der nach „Association“-Regeln spielte. Im September 1889 ließ sich der Schüler Walther Bensemann den ersten Fußball von der Schweiz nach Karlsruhe senden. Bereits beim ersten Probetraining in der 10 Uhr-Pause an Bensemanns Gymnasium, ging ein Fenster zu Bruch. Daraufhin schickte der Schuldirektor die fußballbegierige Gruppe auf einen nahe liegenden Platz. Dort rief Bensemann, der später auch das Sportmagazin „Der Kicker“ gründen sollte, den Internationaler Football-Club (IFC) oder Karlsruher „Footballklub“, am 16. 9. 1889 ins Leben. Der IFC bestand mehrheitlich aus Gymnasiasten und etwa 15 bis 20 englischen Studenten.

Neben Berlin, in dem bereits eine kleine Fußballszene existierte, entwickelte sich Karlsruhe zum Ausgangspunkt einer dynamischen Gründerphase des Fußballs in Süddeutschland. Die junge Fußballszene erregte in Karlsruhe nicht zuletzt wegen der Spielkleidung all zu oft Missfallen:


„Sie sind wieder außerhalb der Fastnachtszeit in einer auffallenden, durch die Gymnasialstatuten nicht genehmigten Kleidung gesehen worden. Dies verstößt gegen die Statuten der Anstalt und wird Ihnen im Wiederholungsfall drei Stunden Karzer eintragen“ (Beyer, S. 46).

Gymnasialdirektor aus Karlsruhe

1891: Spaltung des Internation Football Club und Gründung des KFV

Allmählich kamen im noch jungen International Football Club Gegensätze zwischen Walther Bensemann und einigen IFC-Mitgliedern auf: Bensemann vermutete ein Nachteil im englischen Vereinsnamen, da sich die meisten Vorurteile der Bevölkerung gegen den Fußball als englischen Sport richteten. Bensemann trat darauf mit einigen Getreuen aus, um einen neuen Verein zu gründen. Am 17. November 1891, mittags auf dem Engländerplatz, unter einem einzelnen dicken Baum an der Südseite des Platzes kam man schließlich zusammen. Im bewussten Gegensatz zum International Football Club, gab man dem neuen Klub den schlichten Namen „Karlsruher Fußballverein" und wählte die Vereinsfarben hellblau und weiß. Gegen den zunächst einzig verfügbaren Gegner, dem International FC, fand im März 1892 das erste Spiel des neu gegründeten KFV statt. Der noch junge KFV spielte gegen den IFC in folgender Aufstellung und verlor mit 0:1: von Schleinitz, König, Stutz, Pfeiffer, Bensemann, E. Langer, Roth, Werner, Helbing, Zimmer, F. Langer. In der Anfangszeit des Vereins blieben die Engländer weiterhin das Maß aller Dinge. So schreibt KFV-Gründungsmitglied Otto Jüngling: „Der junge Verein hatte sich einen guten Lehrmeister genommen; es waren die Mitglieder eines in Karlsruhe schon länger bestehenden „English F.C.“, also Engländer, die er auch schon im Frühjahr 1892 ein unentschiedenes Wettspiel lieferte“.

Erste Bild
oben: erstes Mannschaftsfoto des KFV auf dem Engländerplatz 1892, Quelle: KFV.

 

Erneutes Zerwürfnis und Gründung der Karlsruher Kickers

Der Lehramtspraktikant August Marx übernahm um 1893 eine Führungsrolle im KFV. Er hatte die Idee keine Wettspiele, sondern nur noch Übungsspiele an Werktagen auszutragen. Daraus entstand neuerdings ein programmatischer Streit um die Zukunft des Fußballs, was schließlich Walther Bensemann erneut zur Gründung eines Gegenvereins veranlasste. Die ,,Karlsruher Kickers” oder der „Meisterclub des Kontinents“, wie Bensemann den neuen Verein bescheiden nannte, sollte auch einen neuen Typus von Fußballklub schaffen: Eine Art Auswahlmannschaft, in der die besten Spieler  Süddeutschlands spielen sollten. Tatsächlich verloren die Kickers nur ein ein einziges Mal im ersten Jahr ihres Bestehens.

Kickers

oben: die "Karlsruher Kickers" im Jahre 1893. Quelle: KFV.

Stehend von links: König, Ernst Langer, Grenier, Roth, Strube, Moormann. Sitzend von links: Ivo Schricker, Erwin Schricker, Walther Bensemann, Hall, Fritz Langer.

 

Vereinigung des KFV und des Football Club International

Die Weigerung an Wettkampfspielen teilzunehmen führte den jungen KFV unterdessen fast in den Ruin. 1893 überwinterte der KFV nur mit drei Spielern. Die Rettung des KFV war die ,,Vereinigung” mit dem International Footballclub von 1889. Dabei schloss sich ein großer Teil der englischen Spieler des IFC dem KFV an. Der Name „Karlsruher Fußballverein“ wurde beibehalten, dafür jedoch die Farben des International Football Club (rot und schwarz) übernommen. Auch das Training leitete Captain R. Cooper, der Kapitän des International FC, der in kurzer Zeit die KFV-Mannschaft auf „Kombination“ drillte.

oben: Bensemann erwähnt im „Spiel und Sport“, am vom 24. 03. 1895 die Vereinigung des KFV mit dem International Football Club.

oben: Erstmalige Erwähnung des KFV im Karlsruher Adressbuch 1894.

Links: Zeitgenössischer Fußballbericht zur Partie International FC Karlsruhe gegen Karlsruher Kickers 1:1. Aus „Sport und Spiel“, Ausgabe vom 16.12.1893. Geschrieben von KFV-Gründer Walther Bensemann .Rechts: Wettspielankündigung von 1893: Karlsruhe gegen Neuenheim.

oben: Entstehungsgeschichte des KFV.


Die frühe Karlsruher Fußballszene

Nur wenig ist in der damaligen Tagespresse über den jungen Sport zu finden. Doch schon 1891 erschien die erste Ausgabe von „Sport und Spiel“ mit einem Fußballteil. In der Ausgabe vom 18.11.93 werden für Karlsruhe sieben Fußballvereine benannt. In der Anfangszeit des Fußballs kamen und gingen die Klubs „mit dem Besitz oder Verlust eines Balles“ . Die Grenzen der Clubs waren nicht sehr eng, so dass die zahlreichen Gründungen und wieder Auflösungen nicht mit heutigen Maßstäben beurteilt werden können.

oben: „Sport und Spiel“ vom 18.11.1893, geschrieben von KFV-Gründer Walther Bensemann.

Einige Karlsruher Ur-Fußballklubs (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

1889 gegründet: International Footballclub Karlsruhe (Auflösung und Wechsel des Großteils der Spieler zum KFV, 1894)

1891 gegründet: Karlsruher Fußballverein (KFV)

1892 erwähnt: English F.C. 1893 erwähnt: Celeritas Karlsruhe, Red Star, Nationale Club, International Club (nicht identisch mit erstgenanntem Verein)

1894 gegründet: Karlsruher FC Phönix (1912 Fusion mit Karlsruher FC Alemannia; 1952 zum Karlsruher SC)

1895 gegründet: FC Fidelitas Karlsruhe (im studentischen Umfeld der TH Karlsruhe), FC Frankonia Karlsruhe (heute: ESG Frankonia Karlsruhe)

1896 gegründet: Karlsruhe VfB Südstadt/ Karlsruher FC Südstadt (später ein Teil von Post Südstadt Karlsruhe)

1897 gegründet: Karlsruher FC Alemannia (Fusion mit dem FC Phönix im Jahre 1912; 1952 zum Karlsruher SC)

1912 Gründung des "Karlsruher FC Phönix (Phönix Alemannia)" durch Fusion des KFC Phönix und des KFC Alemannia

1952 Gründung des "Karlsruher Sport-Clubs Mühlburg Phönix" durch Fusion des KFC Phönix und des VfB Mühlburg

 

oben: "Stammtafel" des Karlsruher SC, der aus mehreren Vereinen 1952 entstand

oben: Krug des 1892 gegründeten Celeritas Karlsruhe, der nur kurze Zeit existierte.

Quellen:

Beyer, Bernd-M.: Der Mann der den Fußball nach Deutschland brachte, Göttingen, 2014.


Bräunche, Ernst Otto: Fußballhochburg Karlsruhe, in: Sport in Karlsruhe, Karlsruhe, 2006.


Jüngling, Otto: Karlsruher F.-V. als Deutscher Meister 1909|10 unter dem Protektorate Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Maximilian von Baden, in: Programm zum Fußball-Wettspiel Holstein Kiel gegen den Karlsruher F.-F., Karlsruhe, 1911.


Karlsruher Fußballverein (Hrsg.): Festschrift zur Feier des 30jährigen Bestehens des Karlsruher Fussballvereins <E.V.>, 1921.


Sport und Spiel: Organ zur Förderung der Interessen aller athletischen Sports ; deutsches Lawn-Tennis-Fachblatt, Berlin, Jahrgänge 1894 und 1895.


Bildquellen: Archiv des Karlsruher FV e.V.; KSC-Stammtafel: Wikipedia; Bild von Krug: Hagen Leopold.

Verantwortlich für das Design und die Inhalte: Karlsruher FV e.V.