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Stephan Schlichting

im KFV-Legenden-Interview

Der ehemalige Landesligaspieler des KFV machte sein Hobby zum Beruf und gründete eine Vereins- und Spielerberatung, die sich auf den chinesischen Fußball fokussiert.

 

Vereine als Spieler (Spielzeiten):
KFV (1996-1998 / Landesliga), Eintracht Freiburg (1995-1996 / Landesliga), FC Stukenbrock (1993- 1995 / Bezirksliga), PSV Stukenbrock (1992-1993 / Kreisliga B), DSC Arminia Bielefeld III. (1991 / Kreisliga A), VFB Wissen (1989-1991 / Verbandsliga)

 

Herr Schlichting, wie sind Sie zum KFV gekommen und in welcher Begegnung trugen Sie zum ersten Mal das KFV-Trikot?
Ich begann mein Fachhochschulstudium Marketing Ostasien 1996 in Ludwigshafen und suchte „in der Nähe“ einen ambitionierten Verein … und irgendwer teilte mir mit, dass der KFV noch Spieler suchte! Das 1.Spiel und 1.Tor war in der Vorbereitung beim 6:0 (3:0) Sieg gegen den SV Hohenwettersbach (28.7.96).


Was hat Sie beim KFV am meisten beeindruckt? Was sind Ihre erinnerungswürdigsten Momente beim Altmeister?
Das alte Stadion und die Nostalgie eines ehemaligen Deutschen Meisters waren schon sehr denkwürdig … zudem wollte der KFV immer noch die 2.Kraft hinter dem KSC in Karlsruhe bleiben und viele ehemalige, tolle Kicker kamen ja auch in der Zeit von den KSC Amateuren zum KFV.
Besonders kann ich mich noch an den 3:2 (1:2) Pokalsieg gegen den Verbandsligisten VFB Grötzingen erinnern (4.8.97), als ich das 1:0 durch einen Fallrückzieher an die Latte vorbereitete.

Abbildung: KFV in der Saison 1997/98. Hinter Reihe v. links: Thomas Gimmel, Uwe Rosengardt, Tomislav Zeljko, Marcus Lingnau, Marc Schön , Stefan Kiesel.
Mitte: Trainer Wolfgang Ade, Mirzet Jusufovic, Stephan Schlichting, Frank Schwarz, Roberto Accursio, Andreas Grams, Spielausschussvorsitzender Klaus Adam,  1.Vorstand Siegfried Schneider, Spielausschuss Manfred Jerszmanovski.
Vorne: Siegfried Stühn, Romeo Susac, Kai Fielitz, Antonio Perchio, Ralf Österle, Gianni Paglialonga, Paolo Duarte, Guerino Manes. Quelle: KFV.

Abbildung: Schlichting in der Saison 1996/97.


Herr Schlichting, dem Sport sind Sie auch nach Ihrer eigenen Spielerkarriere im Beruf treu geblieben. Sie leiten die Agentur „goal2china“ mit der Sie Spieler- und Vereinsberatungen für den chinesischen Fußball anbieten, ein Netzwerk im chinesischen Fußball aufgebaut haben und eine Brücke nach Europa sind. Wie kam es dazu? Was fasziniert Sie am chinesischen Fußball?
Der Weg dahin war auch eher zufällig. 1996-97 besuchte ich während des Studiums in Ludwigshafen die Fa. Asia Consulting in Biblis des ehemaligen chin. Nationaltrainers Klaus Schlappner. 1997 habe ich dann einige Monate in Peking verbracht, und beim Sohn Uwe arbeiten dürfen. Zurück in Deutschland habe ich das Studium abgebrochen, da ich über die Fa. Kühne & Nagel wieder zurück nach China wollte, was aber nicht klappte. So lernte ich dann zufällig beim Fussball spielen im Stadtpark in Hamburg meinen jetzigen chin. Geschäftspartner kennen, der u.a. auch den 1.Chinesen in der Bundesliga Chen Yang beim FC St. Pauli betreute – 2010 haben wir dann als ersten erfolgreichen Transfer Chen Yang und Jan Kocian als Trainerteam zum 1. Ligaclub Jiangsu Sainty vermittelt.
Ich denke, dass mich im laufe der Jahre die kulturellen Herausforderungen, sowie die nahezu unendlichen Entwicklungsmöglichkeiten im Sport, in diesem großen Land
fasziniert haben. Der Zugang zum Fussball war durch die erste erfolgreiche Vermittlung und das dadurch entstandene Netwerk logisch, und in den letzten Jahren sind auch verschiedene andere Sportarten, wie Hockey und Handball, dazugekommen.
Aktuell ist die med. Versorgung, wie auch Ernährung, ein wichtiges Thema in China, und deshalb arbeiten wir derzeit mit dem bekanntesten Hersteller für med. Produkte aus Deutschland zusammen, und haben einen tollen Partner hier im Norden, mit dem wir das Nahrungsergänzungsmittel Q10 MAGIC POWER nach China bringen – Deutschland ist als Markt dafür tatsächlich zu kompliziert!

Abbildung: Souvenirs aus Karlsruher Zeiten, Pullover und Trikot des KFV aus der Saison 1996/97.

Sprechen Sie Chinesisch? Halten Sie sich inzwischen öfters in China oder in Europa auf?
Ich spreche nur noch ganz wenig Chinesisch, da ich ja einen chin. Geschäftspartner habe, der alles in seiner Muttersprache besser abwickeln kann. Er ist auch fast 6 Monate im Jahr in China während ich so im Schnitt 2 Wochen jährlich drüben bin.


Chinesische Klubs investieren mittlerweile mehr als die englischen Vereine der Premier League. Werden Klubs aus China bald Konkurrenz für die europäischen Vereine sein?

Die Investitionen der chin. Klubs, wie in den letzten Jahren, ist wieder vorbei. Der Verband
hat das zum Glück reguliert und man versucht doch mehr und mehr den eigenen
Nachwuchs zu strukturieren, was aktuell aber leider nur mäßig funktioniert, was in diesem
riesigen Land aber auch niemanden verwundern sollte.


In unserer Region kam es mit der gescheiterten Eingliederung einer chinesischen U23- Mannschaft in die Regionalliga Südwest zu einem Eklat. Viktoria Berlin, ein Verein der ähnlich wie der KFV in der Fußball-Frühgeschichte seine größten Erfolge feierte, musste nach einer ausgebliebenen Investition des chinesischen Investors Alex Zheng im letzten Sommer einen Insolvenzantrag einreichen. Lassen sich so manch kulturelle und politische Stolpersteine zwischen China und Europa/ Deutschland überhaupt überbrücken?

Viktoria Berlin steht dank einer großen Mediengruppe wieder auf gesunden Füßen. Das U23-Thema hat der DFB und die Politik unterschätzt, was leider spürbar zur Folge hat, dass sich China sportlich die letzten Jahre vermehrt in anderen Ländern umsieht. Aktuell haben wir für die bekannteste Sport Universität in Peking (Beijing Sport Universität) eine U14 Mannschaft für 9 Monate in Tschechien untergebracht, die dort auch am Ligabetrieb teilnehmen dürfen … in Deutschland nahezu undenkbar! Um andere Kulturen, wie auch politische Systeme, zu verstehen, muss ich mich selbst
auch immer etwas zurücknehmen und kompromissbereit sein – bin ich dazu nicht bereit, sollte ich es lassen!


Der KFV ist ein traditionsreicher Verein, der einst auch landesweit Bedeutung genoss und heute in der Amateurklasse spielt. Hypothetisch gesprochen: Lässt sich für so einen Verein wie den KFV in China auch einen Interessenten finden, der darin ein interessantes Investitionsobjekt sehen würde?
Man müsste einen Investor finden, der in erster Linie Spaß an der Entwicklung eines Vereins hätte, und nicht den finanziellen Erfolg im Hinterkopf hat. Aktuell ist es aber für alle chin. Investoren im Ausland sehr schwierig geworden, da die Regierung in den jetzigen
Zeiten den Transfer ins Ausland sehr stark überwacht.


Wie verfolgen Sie heute noch die Karlsruhe Fußballszene und die Entwicklung um den KFV?

Gelegentlich über die Homepage, und auch eher die Traditionsmannschaft, da dort der ein oder andere aus meiner Zeit beim KFV noch mitkickt!


Abbildung: KFV-Spiel gegen Langensteinbach in der Saison 1996/97 mit Erwähnung Schlichtings im Artikel. Quelle: KFV-Archiv.

Welchem Klub/ welchen Klubs drücken Sie heute die Daumen?

Durch das Netzwerk zu vielen Vereinen in unterschiedlichen Ländern habe ich heute keinen wirklichen Klub mehr.


Was würden Sie heute dem KFV-Team und den Verantwortlichen heute mit auf den Weg geben?

Es ist immer schwierig einen Traditionsverein wieder „neu“ aufzubauen. Deshalb wünsche ich allen Teams/Verantwortlichen einen langen Atem, um hoffentlich eine Tages wieder an
„alte Zeiten“ anknüpfen zu können.

 

Links:

Agentur von Stephan Schlichting (hier klicken)

Interview von Schlichting in "derWesten" (hier klicken)